„X Factor”: David Pfeffer zieht’s durch

Die zweite Staffel von „X Factor" zeigte vor allem eines: Eine Casting-Show, die versucht, die Dinge etwas anders zu gestalten, ist unterm Strich nicht unbedingt besser als die Konkurrenz. Wie auch bei „Deutschland sucht den Superstar" oder „Popstars" kommen vor allem jene Acts weiter, die sich durch Stromlinienförmigkeit auszeichnen, durch einen Mangel an Eigenschaften, aber auch durch die Bereitschaft, zu jeder Minute unbedingte Harmonie auszustrahlen. Zumal man sich bei der Songauswahl aneinander anglich. Spannende Nummern wie in der letzten Staffel, wo man noch Leonard Cohens „Hallelujah" oder John Lennons „Imagine" zu hören bekam, fehlten.

Der strahlende Sieger David Pfeffer mit seinem Mentor Till Brönner (Bild: VOX)

Auf der Bühne des Finales — wo im letzten Jahr mit Big Soul und Edita noch zwei Acts die Sendung bestritten, sind es diesmal drei —  stehen am letzten „X Factor"-Dienstag der Saison: David Pfeffer, sympathischer Polizist mit einer Allerwelts-Kuschelrockstimme irgendwo zwischen Coldplay und Creed. Raffaela Wais, glattgebügeltes Perfektpersönchen der R'n'B-Pop-Schule und Nica & Joe. Classic-Pop-Hybriden für all jene, die sonst Adoro oder Susan Boyle hören. Dass die drei nicht unbedingt die Besten sind, zeigen die Anfangsminuten. Da stürmen sie nämlich alle noch einmal auf die Bühne, die Teilnehmer der Live-Shows der letzten Wochen, und man erkennt: Einige haben mehr drauf. Etwa das stimmgewaltige Küken Monique Simon, der immer ein bisschen manisch wirkende Kassim Auale oder Rufus Martin, der als letzte die Show verlassen musste: Mit den dreien wäre es ein spannendes Finale geworden.

"X Factor": Waschgang mit Weichspüler

Aber nun denn. Um auch aus den Darbietungen drei überschaubar anregender Finalisten eine dreistündige Liveshow zu basteln, hat man sich bei Vox einiges einfallen lassen. Zum Beispiel gleich drei eigene Singles. Was irgendwie nicht ganz im Sinne des Wettbewerbs ist, der ja einen einzelnen Gewinner hervorbringen soll, aber natürlich zusätzliche Taler in die Kasse spült. David Pfeffer präsentiert seine Nummer gemeinsam mit Freunden aus Duisburg. Trotzdem ist der eigens geschriebene Song (wenig originell betitelt: „I'm Here") Dutzendware aus dem Powerballadenschrank. Oder auch: Musik für Leute, die Leuchtstäbe schwingen, weil man sich an Feuerzeugen ja die Finger verbrennen kann. Bei Nica & Joe heißt das Finallied „Build A Palace". Sarah Connor sagt: „die beiden größten Stimmen, die Deutschland zu bieten hat". Der Song ist trotzdem in etwa so geschmackvoll wie der Nebel über dem Bühnenboden und die Schloss-Neuschwanstein-Projektion im Hintergrund. Auch bei Raffaela Wais langte man in den Pathoskübel: „Heaven Only Knows" ist aber trotz des klischeebeladenen Songaufbaus die beste der drei Möglichkeiten.

Eigentlich könnte man sagen: Alles klar. Wer die meisten Zuschauer auf seine Seite ziehen kann, gewinnt. Bei „X Factor" reicht das aber nicht. Alle Acts müssen ein zweites Mal ran, diesmal mit mehr oder weniger prominenter Unterstützung. Raffaela Wais bekommt Kelly Rowland zur Seite gestellt, nach Beyoncé die ewige Zweite bei Destiny's Child, und wirkt neben ihr leider eher wie eine Show-Praktikantin. Nica & Joe singen gemeinsam mit Michael Bublé, David Pfeffer trällert gemeinsam mit der ungemein professionell, aber nur mäßig interessiert wirkenden Melanie C.

Ab da wird's zäh. Die anderthalb verbleibenden Stunden werden mit etwas beliebigen Auftritten der drei erwähnten Star-Unterstützer und zahllosen Rückblenden in Castings, Bootcamp, Juryhaus und Wohnzimmer gefüllt. Janin Reinhard plappert wie üblich unbedarft aus dem „X Room", hat diesmal aber Verstärkung bekommen. Die „Prominent"-Moderatorin Constanze Rick darf ein bisschen Werbung für sich, ihre Show und alles andere auf der Welt machen und sagt Sätze wie „Es gibt für mich keinen Favoriten. Ich glaube, dass die Fans da draussen richtig entscheiden werden." Bo schwadroniert von der „intensiven Zeit", die er in den letzten Monaten hatte. Und wenn Stille droht, bedankt sich einfach einer schnell bei irgendjemand anderem. Man sollte ohnehin viel öfter Danke sagen! Am Ende müssen die verbliebenen zwei NOCH mal ran. Raffaela Wais schmettert „Empire State Of Mind" von Alicia Keys. David Pfeffer „The Reason" von Hoobastank.

20 Minuten später verrät eine Balkengrafik: Es steht 61,3 zu 38,7 Prozent. Für wen auch immer. Kann sich aber natürlich noch ändern, sagt Jochen Schropp und animiert dazu, noch 60 Sekunden lang anzurufen. 60 lange Sekunden, die Schropp durchlabert. Danach: Stille. Danach: Opernmusik. Und erst, als man gar nicht mehr damit rechnet, dass noch etwas passiert, wird verkündet: David Pfeffer hat gewonnen. Standing Ovations! Umarmungen überall! Konfetti-Regen! Sogar ein Album hat er schon aufgenommen, Schropp hält's erfreut in die Kamera. Am Ende singt er. Nochmal „I'm Here". Der Siegersong der letzten Gewinnerin von „X Factor", Edita Abdieski, hieß übrigens „I've Come To Live". Irgendwie ähnlich. Aber wie gesagt: Etwas mehr Originalität hätte dieser Staffel ohnehin gut getan.

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